shutterstock.com

Darum ist Vertrauen gut, Kontrolle aber nicht immer besser – Der neue Führungsstil 4.0

Der Chef bestimmt, wo es lang geht. Das Sagen hat der Vorgesetzte. Oder: Bevor die Mitarbeiter den Auftrag bearbeiten, erklärt der Leiter, was zu beachten ist. Solche und ähnliche Sätze sind Arbeitnehmer seit Jahrzehnten gewohnt. Sie ersparen ihnen das eigenständige Denken, motivieren aber nicht zum effizienten Arbeiten. Für erfolgreiche Unternehmen ist es heutzutage wichtig, mehr auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzugehen und einen Teil der Verantwortung an sie abzugeben. Das steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern bietet dem Unternehmer einen größeren Spielraum für andere Aktivitäten.

Je größer das Unternehmen, desto mehr Vertrauen braucht es gegenüber Mitarbeitern

Das Einmann-Unternehmen, in dem zeitweise ein paar Hilfskräfte eingestellt sind, lässt sich vom Unternehmer selbst kontrollieren. Dass er alle Aufgaben allein plant und ausführt, liegt auf der Hand. Der Vorteil besteht darin, dass er nur sich die Schuld für Fehler geben muss. Doch will er mit der Konkurrenz mithalten, muss er sich hinsichtlich seines Angebots spezialisieren. Sonst findet er seine Zielgruppe nicht. Darüber hinaus müsste er ein Spezialist für alle anfallenden Arbeiten im Unternehmen sein. Das fordert ihn zeitlich, physisch und psychisch. Will er nicht irgendwann wegen eines Burnouts pausieren, kann er entweder nur wenige Aufträge annehmen oder bei der Ausführung Abstriche machen. Was er nicht braucht, ist ein angepasster Führungsstil. Auf den können größere Unternehmen aber nicht verzichten.

Bisher lief Mitarbeiterführung anders

Bis vor einiger Zeit herrschten in der Wirtschaft straffe Hierarchien, an die sich jeder Mitarbeiter zu halten hatte. Die oberste Ebene gab der darunter befindlichen Anweisungen. Die wiederum unterrichtete und kontrollierte die nächste und so weiter und so weiter. Diejenigen, die Maschinen bedienten, die Korrespondenz tippten oder die Zutaten für Lebensmittel zusammenrührten, waren lediglich die Ausführenden. Das reicht heute nicht mehr. Fachkräfte sind inzwischen nur schwer zu gewinnen. Deshalb muss sich jeder Vorgesetzte die Frage stellen, wie er die vorhandenen zum Bleiben motiviert und wie er ihre Fähigkeiten am besten nutzt. Ihm sollte bewusst sein, dass Arbeitnehmer sich nur dort auf Dauer wohlfühlen, wo sie sich weiterentwickeln dürfen.

Neue Strukturen aufbauen

Wer über Jahre oder Jahrzehnte sein Unternehmen nach dem alten Stil geführt hat, kann nicht über Nacht einen völlig anderen wählen. Um den Mitarbeitern zu vertrauen, braucht es zunächst ein Umdenken des Vorgesetzten. Er muss zulassen können, dass er nicht mehr alles überwachen kann. Das ist schwieriger, als von vielen Führungskräften zunächst angenommen. Darüber hinaus bedarf es klarer Strukturen, die eine Übersichtlichkeit im Betrieb gewährleisten und die Handlungs- und Entscheidungsspielräume jedes Mitarbeiters definieren. Sie richten sich danach, wie lange der Mitarbeiter im Unternehmen tätig ist, auf welche Erfahrungen er zurückblicken kann und inwiefern er in der Lage ist, selbständig auf ein Ziel hinzuarbeiten. Nur in Krisenzeiten greift das bisherige System, bei dem der Chef dirigiert. Wichtig ist, dass durch die Veränderungen im Unternehmen der betriebliche Ablauf nicht gefährdet wird. Vielmehr sollte der Führungsstil 4.0 den Vorgesetzten entlasten, ihm mehr Freiräume bieten und die Kompetenzen der Mitarbeiter stärken. Der Chef agiert als Ansprechpartner und weniger als Anweisender. Das alles funktioniert natürlich nur, wenn die Arbeitnehmer am selben Strang ziehen und keine Aktionen in Eigenregie unternehmen. Dazu benötigen sie ausreichend Teamgeist und das Wissen um die Erwartungen, die an sie gestellt werden.

Reden ist wichtiger denn je

Immer noch meinen einige Unternehmer, es sich nicht leisten zu können, mit ihren Mitarbeitern zu reden. Dadurch ginge zu viel wertvolle Zeit verloren. Dabei ist das Reden wichtig. Nur so gelingt es, Störfaktoren im Arbeitsablauf oder Probleme des Einzelnen herauszufiltern und sie zu beseitigen. Dazu dienen im Großen Gruppengespräche, zum Beispiel wenn es um das Leitbild des Unternehmens geht. Individuelle und persönliche Befindlichkeiten werden besser im Zweiergespräch geklärt. Dieses sollte regelmäßig stattfinden. Dann fühlt sich der Arbeitnehmer von seinem Chef verstanden und verspürt weniger den Drang, zur Konkurrenz zu wechseln. Die Fluktuation in der Firma sinkt und nach außen hin gewinnt das Unternehmen an Beachtung.

Auch mal die Start-up-Szene beobachten

Wer sich an den neuen Führungsstil hält, wird feststellen, dass er das Unternehmen flexibler macht, weil neue Ideen einfließen oder gemeinsam erarbeitet werden. Viele Start-ups arbeiten nach demselben Prinzip. Da sie ihre Visionen zwar gern mit Mitarbeitern, aber nicht mit potentiellen Konkurrenten teilen, sind besonders sie auf eine langfristige Zusammenarbeit mit ihren Fachkräften angewiesen. Die gelingt nur durch ein Miteinander auf Augenhöhe. Aus diesem Grunde verzichten junge Unternehmen häufig ganz auf Hierarchien und setzen eher auf die gleichberechtigte Arbeitsteilung. Dieses Modell kann funktionieren, wenn es von allen Beteiligten transparent gehalten wird. Bereits bestehende Unternehmen brauchen es zwar nicht in Gänze übernehmen. Das Beobachten der Start-up-Szene kann sich dennoch lohnen, zumindest zum Einholen von Inspirationen.

Hilfe annehmen

Langjährige Unternehmer besitzen kaum oder keine Erfahrungen im Führen ihrer Mitarbeiter, wenn sie auf Vertrauen setzen und einen Teil der Kontrolle abgeben sollen. Ihnen kann das Coaching helfen. Experten in der Personalführung und Mediatoren sind geeignete Ansprechpartner, auch wenn es um Neueinstellungen geht.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.